Was ist eine Matrix-Nummer?
Eine Matrix-Nummer ist eine alphanumerische Kennzeichnung, die in den Laufrillen einer Schallplatte eingraviert ist. Sie dient zur Identifikation der Pressform, des Masters und weiterer technischer Details. Diese Nummer ist essenziell für Sammler, um Originalpressungen von Nachpressungen zu unterscheiden – besonders bei seltenen Jazz-Alben.
Die Matrix-Nummer ist ein unverzichtbares Werkzeug für Vinyl-Enthusiasten und Jazz-Sammler. Sie verrät nicht nur, wo und wann eine Platte gepresst wurde, sondern kann auch Hinweise auf die Qualität des Masters oder die Auflagenhöhe geben. In der Welt des Jazz – einer Musikrichtung, die stark von physischen Medien wie Schallplatten geprägt ist – spielt die Matrix-Nummer eine besondere Rolle. Sie hilft dabei, Originalpressungen von Blue Note, Verve oder Impulse! zu identifizieren und Fälschungen zu erkennen.
Key Facts zur Matrix-Nummer
- Definition: Eine in die Laufrille oder den Deadwax-Bereich (der glatte Bereich zwischen Label und Rille) eingravierte alphanumerische Zeichenfolge.
- Zweck: Identifikation der Pressform, des Masters, des Presswerks und der Auflage einer Schallplatte.
- Standort: Meist im Deadwax auf beiden Seiten der Platte, manchmal auch in den Rillen selbst.
- Inhalte: Enthält Codes für Presswerk (z. B. „P“ für Phonodisc, „S“ für Sony), Mastering-Ingenieur, Pressdatum oder Auflagen-Nummer.
- Bedeutung für Sammler: Ermöglicht die Unterscheidung zwischen Originalpressungen und Nachpressungen, besonders bei Jazz-Klassikern wie Miles Davis’ Kind of Blue oder John Coltranes A Love Supreme.
- Jazz-Bezug: Viele Jazz-Labels wie Blue Note oder ECM nutzen spezifische Matrix-Nummern, um ihre Pressungen zu kennzeichnen und Sammlerstücke zu authentifizieren.
Wie liest man eine Matrix-Nummer?
Aufbau und Struktur
Die Matrix-Nummer folgt keinem einheitlichen Standard, aber viele Presswerke verwenden ähnliche Systeme. Typische Elemente sind:
- Presswerk-Code: Ein Buchstabe oder eine Buchstabenkombination, die das Presswerk identifiziert. Beispiele:
- P = Phonodisc (Deutschland)
- S = Sony (USA/Japan)
- M = MPO (Frankreich)
- G = GZ Vinyl (Tschechien)
- Katalognummer: Die offizielle Nummer des Albums, oft identisch mit der auf dem Label oder Cover.
- Seitenkennung: Ein Buchstabe (A, B, C, D) oder eine Zahl (1, 2), der die Seite der Platte angibt.
- Mastering-Code: Ein Buchstabe oder eine Zahl, die den Mastering-Ingenieur oder die Master-Version kennzeichnet (z. B. „1“ für das erste Master, „2“ für ein Remaster).
- Pressungs-Code: Eine Zahl oder ein Buchstabe, der die Presscharge oder Auflage angibt (z. B. „1“ für die erste Pressung).
- Ländercode: Manchmal ein Länderkürzel (z. B. „D“ für Deutschland, „US“ für USA).
Beispiele aus der Jazz-Welt
- Blue Note Pressungen:
- Typische Matrix-Nummer: BN-LA123-A-1
- BN = Blue Note
- LA123 = Katalognummer
- A = Seite A
- 1 = Erste Pressung
- Blue Note nutzte oft Van Gelder Mastering (Rudy Van Gelder), dessen Code manchmal in der Matrix-Nummer enthalten ist.
- Verve Pressungen:
- Typische Matrix-Nummer: V6-8745-A M1
- V6 = Verve Label
- 8745 = Katalognummer
- A = Seite A
- M1 = Master 1
- Deutsche Pressungen (z. B. für ECM):
- Typische Matrix-Nummer: ECM 1001 A P-12345
- ECM 1001 = Katalognummer
- A = Seite A
- P = Presswerk (z. B. Phonodisc)
- 12345 = Pressungs-Code
Tools zur Entschlüsselung
- Discogs: Die größte Datenbank für Schallplatten. Hier können Matrix-Nummern mit bestehenden Einträgen abgeglichen werden, um Pressungen zu identifizieren.
- Popsike: Nützlich für seltene Pressungen und deren Wert.
- Label-spezifische Datenbanken: Einige Labels wie Blue Note oder Mobile Fidelity Sound Lab (MFSL) haben eigene Archive, die Matrix-Nummern dokumentieren.
Warum ist die Matrix-Nummer für Jazz-Sammler wichtig?
Authentifizierung von Originalpressungen
In der Jazz-Szene sind Originalpressungen oft deutlich wertvoller als Nachpressungen. Die Matrix-Nummer hilft dabei, echte First Pressings von späteren Auflagen zu unterscheiden. Beispiele:
- Miles Davis – Kind of Blue (CL 1355): Die erste Pressung von Columbia Records hat die Matrix-Nummer CL-1355-A-1 (Seite A) und CL-1355-B-1 (Seite B). Spätere Pressungen haben höhere Zahlen (z. B. CL-1355-A-2).
- John Coltrane – A Love Supreme (AS-75): Die Originalpressung von Impulse! hat die Matrix-Nummer A-75-1 (Seite A) und B-75-1 (Seite B).
- Thelonious Monk – Brilliant Corners (RLP 10-1): Die erste Pressung von Riverside Records hat die Matrix-Nummer RLP-10-1-A und RLP-10-1-B.
Erkennen von Bootlegs und Fälschungen
Bootlegs (illegale Nachpressungen) haben oft keine oder gefälschte Matrix-Nummern. Echte Matrix-Nummern sind:
- Eingraviert (nicht aufgedruckt oder aufgeklebt).
- Konsistent mit bekannten Presswerken und Katalognummern.
- Einzigartig für die jeweilige Pressung.
Fälschungen können:
- Aufgeklebte Labels mit falschen Matrix-Nummern haben.
- Keine Matrix-Nummer im Deadwax aufweisen.
- Unplausible Codes verwenden (z. B. Presswerk-Codes, die es zum Pressdatum noch nicht gab).
Bestimmung des Werts einer Platte
Der Wert einer Jazz-Schallplatte hängt stark von ihrer Pressung ab. Matrix-Nummern helfen dabei, den Wert zu bestimmen:
| Pressungstyp | Matrix-Nummer | Wert (Beispiel: Kind of Blue) |
|---|---|---|
| First Pressing | CL-1355-A-1 / B-1 | 5.000–10.000 € |
| Early Repress | CL-1355-A-2 / B-2 | 1.000–3.000 € |
| Later Repress | CL-1355-A-5 / B-5 | 200–500 € |
| Bootleg | Keine oder gefälschte Nummer | 50–200 € |
Matrix-Nummern und das Mastering von Jazz-Alben
Der Einfluss des Masterings auf den Klang
Die Matrix-Nummer kann auch Hinweise auf das Mastering geben. Unterschiedliche Masterings können den Klang einer Platte deutlich beeinflussen:
- Original Master: Die erste Master-Version, oft mit dem wärmsten und natürlichsten Klang. Beispiel: Die erste Pressung von Coltrane’s Giant Steps (Atlantic SD 1311) hat ein analoges Mastering mit einer Matrix-Nummer wie SD-1311-A-1.
- Remaster: Spätere Versionen, oft digital bearbeitet. Beispiel: Die Mobile Fidelity Sound Lab (MFSL)-Pressung von Kind of Blue hat eine Matrix-Nummer wie MFSL-1-001-A, die auf ein High-Resolution-Remaster hinweist.
- Direct Metal Mastering (DMM): Eine spezielle Mastering-Technik, die bei einigen Jazz-Pressungen der 1980er Jahre verwendet wurde. Beispiel: ECM-Pressungen mit DMM haben oft eine Matrix-Nummer wie ECM 1001 A DMM.
Bekannte Mastering-Ingenieure und ihre Codes
Einige Mastering-Ingenieure sind in der Jazz-Welt legendär und hinterlassen oft ihre Signatur in der Matrix-Nummer:
- Rudy Van Gelder: Masterte unzählige Blue Note– und Prestige-Alben. Seine Matrix-Nummern enthalten oft „RVG“ oder „Van Gelder“. Beispiel: BN-LA123-A RVG.
- Bernie Grundman: Arbeitete für Impulse! und Verve. Seine Matrix-Nummern können „BG“ oder „Grundman“ enthalten.
- Stan Ricker: Masterte viele Jazz-Alben der 1970er und 1980er Jahre. Seine Matrix-Nummern enthalten oft „SR“ oder „Ricker“. Beispiel: V6-8745-A SR.
Fazit
Die Matrix-Nummer ist ein unverzichtbares Werkzeug für Jazz-Sammler und Vinyl-Enthusiasten. Sie ermöglicht es, Originalpressungen von Nachpressungen zu unterscheiden, Bootlegs zu erkennen und den Wert einer Platte zu bestimmen. Besonders in der Jazz-Welt, wo Blue Note, Verve und Impulse! zu den wichtigsten Labels zählen, ist die Matrix-Nummer ein Schlüssel zur Geschichte und Authentizität einer Aufnahme.
Für Sammler lohnt es sich, die Matrix-Nummern ihrer Jazz-Schallplatten zu dokumentieren und mit Datenbanken wie Discogs oder Popsike abzugleichen. So lässt sich nicht nur der Wert einer Platte bestimmen, sondern auch ihre musikalische und historische Bedeutung besser verstehen.
Wer sich für die technischen Details hinter der Vinyl-Herstellung interessiert, findet in unserem Artikel zu Plattenläden in Frankfurt weitere spannende Einblicke in die Welt der Schallplatten. Für alle, die mehr über die Geschichte des Jazz erfahren möchten, ist unser Beitrag zur Geschichte des Smooth Jazz eine lohnende Lektüre.
FAQ
Wo finde ich die Matrix-Nummer auf einer Schallplatte?
Die Matrix-Nummer befindet sich meist im Deadwax-Bereich, dem glatten Bereich zwischen dem Label und der ersten Rille. Sie kann auch in den Rillen selbst eingraviert sein. Bei manchen Platten ist sie auf beiden Seiten zu finden.
Kann ich mit der Matrix-Nummer den Wert einer Jazz-Schallplatte bestimmen?
Ja, die Matrix-Nummer hilft dabei, Originalpressungen von Nachpressungen zu unterscheiden. First Pressings mit niedrigen Nummern (z. B. -1 oder -2) sind oft deutlich wertvoller als spätere Auflagen. Datenbanken wie Discogs oder Popsike nutzen Matrix-Nummern zur Wertbestimmung.
Was ist der Unterschied zwischen einer Matrix-Nummer und einer Katalognummer?
Die Katalognummer ist die offizielle Nummer des Albums, die auf dem Label oder Cover steht. Die Matrix-Nummer ist eine technische Kennzeichnung, die zusätzliche Informationen wie Presswerk, Mastering und Presscharge enthält. Beide Nummern können identisch sein, müssen es aber nicht.
Gibt es Matrix-Nummern bei CDs oder digitalen Downloads?
Nein, Matrix-Nummern sind spezifisch für Schallplatten. CDs haben andere Identifikationssysteme wie Barcodes oder ISRC-Codes. Digitale Downloads haben keine physische Kennzeichnung.
Wie erkenne ich eine gefälschte Matrix-Nummer?
Echte Matrix-Nummern sind eingraviert, nicht aufgedruckt oder aufgeklebt. Sie sollten konsistent mit bekannten Presswerken und Katalognummern sein. Unplausible Codes (z. B. Presswerk-Codes, die es zum Pressdatum noch nicht gab) oder fehlende Nummern deuten auf eine Fälschung hin.
Welche Rolle spielt die Matrix-Nummer bei Jazz-Alben?
Bei Jazz-Alben ist die Matrix-Nummer besonders wichtig, da viele Sammler Originalpressungen von Labels wie Blue Note, Verve oder Impulse! suchen. Die Nummer hilft, echte First Pressings von Bootlegs oder späteren Auflagen zu unterscheiden.

